In meinen vergangenen Beiträgen habe ich mich ja öfter mal an Helikopter-Eltern und der Spezies der “Brigitte-, Sybille- und Kerstin-Mamas” abgearbeitet. Die moderne Kindererziehung ist schließlich ein Minenfeld. Man soll als Vater heute Ernährer sein, emotionaler Leuchtturm, verständnisvoller Spielgefährte und im besten Fall noch fehlerfreier Montessori-Pädagoge. Dass das in der Realität krachend scheitert, ist vorprogrammiert. Und genau in diese wunderbare, schmerzhafte Kerbe schlägt eine Serie, die ich euch heute ans Herz legen möchte: “Bappas” (für alle Nicht-Bajuwaren: Papas).
Zwei Väter. Ein Team. Null Plan.
Die ARD/BR-Produktion, die Ende 2025 das Licht der TV-Welt erblickte, ist ein quietschbunter, gut gelaunter Stilmix aus Sketch-Comedy, Parodien und Mockumentary-Elementen – ein bisschen im Stil von “Stromberg”, nur eben am Klettergerüst statt im Büro. Im Zentrum stehen zwei Männer, die in den Rollen ihres Lebens glänzen: Sie spielen sich selbst. Der großartige Simon Pearce und Bayern-3-Moderator Sebastian Winkler.
Die Prämisse ist herrlich ehrlich. Die beiden kämpfen sich als beste Buddies und Nachbarn durch den ganz normalen Alltagswahnsinn. Von eskalierenden Kindergeburtstagen (wo der gebuchte Entertainer natürlich verschwitzt wurde) über den hypochondrischen Kampf gegen einen sonderbaren Ausschlag am Hals bis hin zur absurden Suche nach dem “Harvard der Grundschulen”. Es ist Realsatire pur. Komik ereignet sich ja immer dann, wenn überzogene Erwartungen auf die knallharte Nüchternheit der Realität treffen.
Warum Simon ein Volltreffer ist
Erst mal Transparenz und Tacheles: Ich gebe offen zu, dass ich befangen bin. Ich kenne Simon persönlich, schätze ihn sehr und ja, deshalb kommt er in diesem Artikel natürlich besonders gut weg. Aber das hat er sich auch verdient! Simon hat dieses fantastische Timing und eine so herrlich trockene Art, den alltäglichen Irrsinn zu entlarven. Wie er selbst im Vorfeld passend feststellte, passt das Thema einfach wie die Faust aufs Auge, weil er und Sebastian auch privat als Väter viele absurde Momente miteinander erlebt haben. Diese Authentizität trägt die Serie. Und wenn dann noch hochkarätige Gaststars wie Felix Lobrecht um die Ecke biegen, ist das Chaos perfekt.
Es beruhigt ungemein zu sehen, dass andere auch keinen Plan haben und dass man(n) neben all dem Vatersein auch manchmal noch ein ziemlicher Kindskopf sein darf.
Von der Sandkasten-Front zu den Fun Facts
Aber Simon jongliert nicht nur auf dem Bildschirm mit dem Wahnsinn des Vaterseins. Er ist inzwischen auch ein entscheidender Teil des riesigen Ensembles von FunFacts.de. Wer das noch nicht auf dem Schirm hat: Das ist ein grandioses, 15-minütiges Nachrichtenformat mit Humor. Ihr Motto “Facts, but funny” bringt es auf den Punkt.
Dort seziert Simon dann live vor Publikum (unter anderem in der altehrwürdigen Münchner Lach- und Schießgesellschaft) den Tag. Egal, ob es um die UN-Resolution zum transatlantischen Sklavenhandel, die Rolle Deutschlands in der Kolonialzeit, Künstliche Intelligenz oder die Zukunftsängste der Gen Z geht – Simon schafft es, hinter der Aufregung die echten Probleme und Lösungswege aufzuzeigen. Er bricht schwere Kost mit einer Schärfe und einem Witz herunter, den wir in dieser toxischen, empörungsgetriebenen Social-Media-Welt dringend brauchen. Das ist Aufklärung, die Spaß macht und trotzdem wehtut, wo sie wehtun muss.
Mein Tipp für euch
Wenn euch das nächste Mal die Übermütter auf dem Spielplatz in den Wahnsinn treiben oder ihr euch fragt, ob ihr bei der Erziehung eurer Kinder eigentlich komplett versagt: Holt tief Luft, schaltet die ARD Mediathek ein und schaut euch “Bappas” an. Es ist ein wunderbares Trostpflaster für die geschundene Seele moderner Eltern.
Hier geht’s direkt zur Serie: Bappas in der ARD Mediathek.