Der Feind in meinem Bett? Wenn Feminismus zum Männer-Bashing wird

Der Feind in meinem Bett? Wenn Feminismus zum Männer-Bashing wird

Hand aufs Herz: Ich bin ein Feminist.

Das klingt für einen Mann meines Jahrgangs (Baujahr 80, falls wer fragt) vielleicht erstmal verdächtig nach “Ich habe auch schwarze Freunde”, ist aber mein voller Ernst. Wenn Feminismus bedeutet, dass Männer und Frauen politisch, wirtschaftlich und sozial gleichgestellt sind, dann unterschreibe ich das sofort. Zweimal. Mit Blut, wenn es sein muss.

Dass Frauen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Geld bekommen – die berühmte Gender Pay Gap liegt laut Statistischem Bundesamt immer noch bei rund 18% – ist ein Skandal. Dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind? Ein Armutszeugnis. Dass wir gesellschaftlich immer noch Unterschiede machen, wo keine sein sollten? Geschenkt. Da bin ich bei euch. Da stehe ich in der ersten Reihe.

Aber in letzter Zeit beschleicht mich ein ungutes Gefühl.

In meinem direkten Umfeld beobachte ich eine neue Form des Aktivismus. Eine Form, die mir Sorgen bereitet. Nicht, weil sie Gleichberechtigung fordert. Sondern weil sie Gefahr läuft, das Ziel aus den Augen zu verlieren und stattdessen Gräben aushebt, die so tief sind, dass man das andere Geschlecht auf der anderen Seite kaum noch erkennen kann.

Wenn “Pro Frau” zu “Anti Mann” wird

Früher, in meiner vielleicht naiven Vorstellung, ging es beim Feminismus um ein Miteinander auf Augenhöhe. Heute habe ich oft den Eindruck, es geht um Vergeltung. Der “alte weiße Mann” ist nicht mehr nur ein soziologischer Begriff für Machtstrukturen, er ist zum ultimativen Feindbild mutiert. Zum Sündenbock für alles, was schiefläuft – vom Klimawandel bis zum schlecht sortierten Supermarktregal.

Der moderne Internet-Aktivismus neigt dazu, die Welt in Schwarz und Weiß zu malen. Hier die unterdrückte, per se gute Frau, dort der toxische, unterdrückende Mann. Das ist mir zu einfach. Und es ist gefährlich. Denn wer spaltet, statt zu einen, der gewinnt am Ende vielleicht den Applaus der eigenen Bubble, verliert aber die Gesellschaft.

Mansplaining, Manspreading und andere Kampfbegriffe

Besonders absurd wird es, wenn wir uns die neuen Wortschöpfungen ansehen, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Nehmen wir das berühmte Mansplaining.

Die Idee dahinter: Ein Mann erklärt einer Frau herablassend etwas, wovon sie eigentlich mehr Ahnung hat. Okay, kennen wir alle. Ist nervig. Ist arrogant. Aber müssen wir daraus gleich einen geschlechtsspezifischen Kampfbegriff machen? Wenn meine Partnerin mir vor dem Urlaub herablassend erklärt, wie ich den Kofferraum “richtig” und platzsparend zu packen habe (obwohl ich ungeschlagener Tetris-Meister auf dem Gameboy war!), ist das dann “Womansplaining”? Oder einfach nur… Besserwisserei?

Diese Begriffe sind Totschlagargumente. Sie beenden jede Diskussion, bevor sie angefangen hat. “Du widersprichst mir? Typisch Mansplaining!” Schachmatt. Diskussion beendet. Der Mann ist qua Geschlecht im Unrecht. Das hat mit Diskurs nichts zu tun, das ist intellektuelle Faulheit.

Die Sprachpolizei und die männlicher Hebamme

Und dann ist da noch die Sprache. Das Gendern. Versteht mich nicht falsch: Sprache formt Denken. Das ist wissenschaftlicher Konsens. Aber der aktuelle Kampf gegen das generische Maskulinum nimmt Züge an, die man nur noch mit einem Kopfschütteln quittieren kann.

Da wird behauptet, das generische Maskulinum würde Frauen “unsichtbar” machen. Dabei ist das sprachhistorisch oft schlichtweg Mumpitz. Nehmen wir das Wort Lehrer. Das Substantiv Lehrer leitet sich vom Verb lehren ab. Es ist ein sogenanntes Nomen Agentis – ein Wort, das den Ausführenden einer Handlung bezeichnet. Der Lehrer ist also jemand, der lehrt. Das grammatikalische Geschlecht (Genus) ist maskulin, ja. Aber das biologische Geschlecht (Sexus) ist in der Grundform überhaupt nicht gemeint.

Der Beweis? Das generische Femininum! Es gibt nämlich haufenweise Wörter, die grammatikalisch weiblich sind, aber ganz selbstverständlich auch Männer meinen. Und seltsamerweise fordert hier niemand Sternchen oder Doppelpunkte.

Wir sagen ganz selbstverständlich die Person. Niemand käme auf die Idee, von einem “Personer” zu sprechen, nur weil es sich um einen Mann handelt. Wir sagen die Geisel, die Waise oder die Koryphäe. Wenn ein Mann im Job richtig gut ist, nennen wir ihn eine Fachkraft. Fühlt er sich dann entmannt, weil er grammatikalisch zur Frau wird? Oder nehmen wir die Führungskraft. Der Inbegriff von Macht im Unternehmen – und das Wort ist weiblich! Hat sich jemals ein männlicher CEO beschwert, dass er durch diesen Begriff unsichtbar gemacht wird? Fordert jemand “Führungskrafter:innen”? Wohl kaum. Er freut sich einfach über das Gehalt.

Dass wir diese Wörter völlig natürlich für alle Geschlechter nutzen, beweist doch: Unser Gehirn kann sehr wohl zwischen Grammatik und Biologie unterscheiden. Wenn wir jetzt anfangen, unsere Sprache mit Sternchen, Doppelpunkten und Unterstrichen zu pflastern, dann schaffen wir keine Gerechtigkeit. Wir schaffen Stolpersteine.

Und TROTZDEM brauchen wir sprachliche Veränderung - die es aber immer auch gab! Auf natürliche, ungezwungene Weise. Aus dem Polizisten wurde auch eine Polizistin. Aus einem Piloten wurde eine Pilotin und sogar aus dem Bundeskanzler (ursprünglich wäre bei Frau Dr. Merkel die Anrede “Frau Bundeskanzler” richtig gewesen) eine Bundeskanzlerin. Aber aus einem geschlechtsneutralen Gast sollten wir keine “Gästin” machen, weil das der vermeidlich feministischere Ansatz wäre. Es bleibt Mumpitz.

Mehr Gelassenheit bitte

Was wir brauchen, ist weniger Hysterie und mehr Gelassenheit. Wir brauchen weniger “Wir gegen Die” und mehr “Wir zusammen”.

Ich möchte nicht, dass nachfolgende Generationen in einer Welt aufwachsen, in der sie Männer als Feinde sehen. Ich möchte, dass sie als Partner gesehen werden. Als Menschen. Mit Fehlern, ja. Mit Macken, sicher. Aber nicht als das personifizierte Böse.

Echter Feminismus bedeutet für mich, dass wir die Chancengleichheit herstellen, ohne dabei neue Ungerechtigkeiten zu schaffen. Dass wir Männer in die Pflicht nehmen, ja – zum Beispiel bei der Kindererziehung oder im Haushalt (Thema Mental Load, darüber können wir gerne reden!). Aber dass wir sie nicht pauschal verurteilen.

Wir müssen aufhören, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und hinter jedem Satz eine patriarchale Verschwörung zu wittern. Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre. Und manchmal ist ein Lehrer einfach nur jemand, der etwas beibringt – genau wie eine Person einfach nur ein Mensch ist.

Lasst uns die echten Probleme angehen: Gleiche Bezahlung. Schutz vor Gewalt. Faire Karrierechancen.

Aber lasst uns dabei bitte den Humor nicht verlieren. Und die Menschlichkeit. Denn am Ende des Tages sitzen wir alle im selben Boot. Und das schaukelt schon heftig genug, da müssen wir nicht auch noch versuchen, uns gegenseitig über Bord zu werfen.

In diesem Sinne: Bleibt kritisch, aber bleibt fair.